Siblin feiert „Christoph 12“

50 Jahre Luftrettung, starke Worte und ein bewegender Abschied

Wenn über den Feldern zwischen Barghorst und Siblin der Hubschrauber aufsteigt, gehört das für viele Menschen längst zum Alltag. Seit fast zwei Jahrzehnten ist der Klang von „Christoph 12“ Teil der Geräuschkulisse im kleinen Ort nahe Ahrensbök – und für viele ein Zeichen der Sicherheit. Nun wurde die Luftrettungsstation mit einem Festakt für ihr 50-jähriges Bestehen gewürdigt. Dabei standen nicht nur Zahlen und Geschichte im Mittelpunkt, sondern vor allem viele persönliche Worte, Dankbarkeit – und ein paar launige O-Töne.

Rund 100 geladene Gäste waren am Sonnabend in den Hangar gekommen, darunter Schleswig-Holsteins Innenministerin Magdalena Finke, Landrat Timo Gaarz und weitere Vertreter aus Politik und Rettungswesen. Begrüßt wurden sie von Dr. Peer Knacke, Leitendem Notarzt und prägender Figur der Station. Der Mediziner nutzte seinen Auftritt sofort für eine humorvolle Spitze Richtung Kommunalpolitik. „Ich bin mit dem Fahrrad da und muss nachher auch wieder mit dem Rad zurück!“, sagte er mit Blick auf den fehlenden Radweg an einem Teilstück der L184. Die Bemerkung sorgte für Lachen – und zeigte zugleich, wie vertraut und direkt der Ton an diesem Vormittag war. Knacke musste sich ohnehin niemandem vorstellen: Mit mehr als 10.000 Einsätzen auf „Christoph 12“ ist er seit Jahrzehnten eines der bekanntesten Gesichter der Luftrettung in der Region.

Die Bilanz der Station ist eindrucksvoll: Seit der Indienststellung am 1. Juni 1976 wurde „Christoph 12“ zu rund 53.000 Einsätzen alarmiert. Was einst am Krankenhaus in Eutin mit einer Bölkow BO 105 begann, ist heute ein fest etablierter Baustein der Notfallversorgung im östlichen Schleswig-Holstein. Seit 2007 ist die Station in Siblin beheimatet; geflogen wird dort heute mit einer EC135. Die Piloten kommen von der Bundespolizei-Fliegerstaffel Fuhlendorf, hinzu kommen Notfallsanitäter und HEMS-TC der Johanniter-Unfall-Hilfe sowie hochspezialisierte Notärzte. Gemeinsam steht die Crew von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang bereit, um binnen weniger Minuten Hilfe zu leisten. Die Geschichte von „Christoph 12“ reicht damit ein halbes Jahrhundert zurück – seine Bedeutung ist bis heute ungebrochen.

Wie hoch die Wertschätzung für die Arbeit der Luftretter ist, machte Innenministerin Magdalena Finke in ihrem Grußwort deutlich. Sie vertrat Ministerpräsident Daniel Günther und erinnerte daran, dass sie die Station bereits einmal besucht hatte – damals allerdings unter denkbar authentischen Bedingungen: „Ich war schon einmal hier und hatte das Pech, dass genau als ich hier war die Crew zu einem Einsatz aufbrechen musste.“ Finke dankte den Einsatzkräften ausdrücklich: „Es ist mir wichtig, einmal von ganzem Herzen Danke zu sagen.“ Mit einem Augenzwinkern versprach sie zudem, bei ihrer späteren Teilnahme am Lauf zwischen den Meeren möglichst keinen Rettungshubschraubereinsatz zu verursachen. Ihr Fazit fiel eindeutig aus: „Die Prominenz hier zeigt dann doch die Anerkennung und Wertschätzung für die Station.“

Auch Landrat Timo Gaarz ließ keinen Zweifel an seiner Anerkennung für die Luftretter: „Seit fünf Jahrzehnten ist der Rettungshubschrauber ein unverzichtbarer Bestandteil der Notfallversorgung im Kreis Ostholstein. Für die Bürgerinnen und Bürger unserer Region bedeutet das ein Höchstmaß an Sicherheit. Ich danke Ihnen und allen beteiligten Organisationen für den unermüdlichen Einsatz.“ Mit Blick auf Knackes Hinweis zum Radweg ließ Gaarz zudem erkennen, dass ihm das Thema keineswegs neu war – eine kleine Bemerkung, die den lockeren Ton der Veranstaltung noch einmal unterstrich.

Ahrensböks Bürgermeister Andreas Zimmermann betonte ebenfalls die Bedeutung des Standorts für die Gemeinde. „Die Gemeinde Ahrensbök ist stolz darauf, Standort dieser wichtigen Einrichtung zu sein. Wir wünschen ,Christoph 12‘ auch für die Zukunft stets sichere Flüge, erfolgreiche Einsätze und jederzeit eine glückliche Rückkehr“, rief er den Gästen zu.

Besonders emotional wurde es, als Christian Kraft, Vorstand des Rettungsdienstes Holstein AöR, das Wort ergriff. Nach seinem Grußwort bat er Dr. Peer Knacke zu sich und rang sichtlich um Fassung. Dann sagte er: „Peer, ich möchte den Rahmen des Festaktes einfach nutzen, um deine großartigen und langjährigen Verdienste vor einem ehrwürdigen und für dich durchaus angemessenen Publikum zu würdigen und dich hiermit offiziell von den Pflichten des Ärztlichen Leiters des Rettungsdienstes Ostholstein zu entbinden.“ Im Hangar wurde damit aus einer Jubiläumsfeier für einen Moment auch ein sehr persönlicher Abschied.

Am 31. Juli geht mit Knacke ein Urgestein der „Christoph 12“-Crew in den Ruhestand. Seit 1989 gehört er fest zum Team. Die letzten Wochen als Leitender Notarzt und Stationsleiter wolle er noch bewusst genießen, machte er deutlich. Seinen Humor verlor er auch in diesem Moment nicht: Mit Verweis auf seine Fahrrad-Anreise reichte er den ihm übergebenen Blumenstrauß – mit Einverständnis von Christian Kraft – kurzerhand an Innenministerin Finke weiter, die die Geste sichtlich bewegt annahm.

Nach dem offiziellen Teil eröffnete Dr. Peer Knacke das Büfett – und damit auch den informellen Teil der Feier mit vielen Gesprächen und Begegnungen. Ab 13 Uhr öffnete die Luftrettungsstation beim Tag der offenen Tür auch für die Bevölkerung ihre Tore. Besucherinnen und Besucher konnten den Rettungshubschrauber aus nächster Nähe besichtigen, mit Piloten, Ärzten und Notfallsanitätern ins Gespräch kommen und an einem Flugsimulator einen Eindruck vom Fliegen gewinnen. Auch weitere Hilfsorganisationen nutzten die Gelegenheit, Fahrzeuge, Technik und ihre Arbeit vorzustellen.

Ganz ohne kleine Hürde kam der Jubiläumstag allerdings nicht aus: Direkt an der Luftrettungsstation standen nur wenige Parkplätze zur Verfügung. Viele Gäste mussten deshalb auf ausgewiesene Flächen in Siblin ausweichen und die rund 1,2 Kilometer zu Fuß oder mit einem eigens eingerichteten Shuttle-Service zurücklegen. Dass sich dieser Aufwand lohnte, daran ließ die große Resonanz auf den Tag der offenen Tür keinen Zweifel.